Aktionen

Dachboden-Träume: Wenn aus der Rumpelkammer ein Gästezimmer wird

Aus Stadtwiki Strausberg




Die unter jedem Schritt, und oben wartet ein Raum, der seit Jahren nur Staub sammelt. Schräge Wände, niedrige Firsthöhe, ein Fenster, das kaum Licht hereinlässt. Genau hier habe ich vor drei Monaten angefangen, aus dieser vergessenen Ecke ein richtiges Gästezimmer zu machen. Der Trick war, nicht gegen die Architektur zu kämpfen, sondern mit ihr zu arbeiten. Wer einmal versucht hat, ein normales Bett unter eine 1,50 Meter hohe Schräge zu quetschen, weiß, warum klassische Möbel oft scheitern. Stattdessen setzte ich auf ein Maßkonzept: Ein niedriger Rahmen aus heller Buche, darauf eine 16 cm dicke Schaummatratze, die ich online nach meinen Maßen zuschneiden ließ. Der Raumgewinn war enorm – plötzlich blieb Platz für einen kleinen Kleiderschrank und eine Leseecke. Nichts an diesem Dachboden-Design war standardisiert, aber genau das machte den Reiz aus.



Das größte Problem war der Stauraum. Gäste bringen Koffer mit, aber wo lässt man die Bettwäsche, wenn der Schrank schon voller Weihnachtsdeko und alter Skier steckt? Meine Lösung war ein Bett mit Stauraum, das ich aus zwei stabilen Kiefernholzboxen baute. Jede Box hat einen Deckel, der auf Scharnieren liegt – darunter verschwinden vier Sätze Bettbezüge, zwei Wolldecken und sogar das extra Kopfkissen. Die Matratze liegt einfach lose auf diesen Boxen, damit man ran kommt, ohne das ganze Bett abziehen zu müssen. Ich habe die Oberfläche mit einer matten Lasur behandelt, die das Holz vor Staub schützt und trotzdem natürlich aussieht. Wenn Gäste kommen, klappe ich die Deckel zu, werfe das Laken über die Schaummatratze und fertig. Das Beste: Dieses Bett mit Stauraum kostete mich unter 100 Euro, während fertige Modelle mit ähnlicher Funktion schnell das Doppelte verlangen. Der Dachboden-Design-Ansatz muss nicht teuer sein, er muss nur durchdacht sein.



Manchmal steht aber gar kein fester Schlafplatz zur Verfügung. Mein Dachboden hat nur 18 Quadratmeter, und dort soll auch noch ein Schreibtisch für Home-Office Tage Platz finden. Für solche Fälle habe ich einen Sofa-Bett-Kombi eingebaut, genauer gesagt ein echtes Sofa Bett mit einem stabilen Click-Clack-Mechanismus. Wenn ich morgens den Laptop aufklappe, ist das Teil eine schmale Couch mit Velourpolsterung in einem warmen Anthrazit – Flecken sieht man nicht, und der Stoff fühlt sich samtig an. Abends ziehe ich an einer verdeckten Schlaufe, der Rücken klappt nach hinten, und die Sitzfläche wird zur Liegefläche. Die Velourpolsterung ist ein echter Segen: Sie kaschiert all die kleinen Krümel von Abendbroten und hält auch dem Rauf und Runter stand. Der Click-Clack-Mechanismus funktioniert fast lautlos, ein wichtiges Detail, denn auf dem Dachboden hört man jedes Geräusch im ganzen Haus.



Die Matratzenfrage wird oft unterschätzt. Viele Sofa Betten haben eingebaute Schaumstoffkerne, die nach zwei Nächten durchgelegen sind. Ich habe deshalb eine separate Schaummatratze mit 16 cm Höhe und mittlerem Härtegrad gekauft und lege sie einfach auf die ausgeklappte Fläche. Die Matratze ist mit einem abnehmbaren Bezug ausgestattet, den ich bei 60 Grad waschen kann – unverzichtbar, wenn mal jemand mit verschwitztem Rücken oder nach einer langen Autoanreise ins Bett fällt. Die Liegefläche misst 140 x 200 Zentimeter, was für die meisten Paare reicht, und die zusätzliche Matratze lagert tagsüber senkrecht hinter einem Vorhang in der Ecke. Das klingt umständlich, aber der Aufwand von drei Minuten lohnt sich. Der Dachboden-Design-Trick ist, dass die Matratze nicht auf Dauer auf dem Mechanismus liegt, sondern nur bei Bedarf. Das verlängert die Lebensdauer des Sofa Betts enorm.



Eine Sache, die mir anfangs Kopfzerbrechen bereitete, war die mangelnde Kopffreiheit direkt unter der Dachschräge. Ein normaler Pull-Out-Sofa würde nicht funktionieren, weil man sich beim Ausziehen den Kopf stößt. Ich entschied mich für ein Modell, bei dem die Liegefläche quer zur Schräge verläuft – also parallel zum tiefsten Punkt. So kann der Gast mit dem Kopf zur hohen Wandseite schlafen, während die Füße unter der niedrigen Seite bleiben. Das klingt technisch, ist aber schnell erklärt: Der Schlafende liegt nicht entlang der Schräge, sondern quer dazu. Der Pull-Out-Sofa-Mechanismus zieht sich dabei auf einer Schiene heraus, die nur 35 Zentimeter aus dem Rahmen fährt. So bleibt die Sitzgeometrie kompakt. Ich habe die Armlehnen bewusst schmal gehalten, damit sie nicht in den Flur ragen. Die Velourpolsterung dieses Modells ist in einem hellen Beige gehalten, was den kleinen Raum optisch öffnet.



Natürlich hat nicht jeder Dachboden Fenster. Meiner hat ein einzelnes Dachflächenfenster, 78 x 98 Zentimeter, im Süden gelegen. Um die Morgensonne nicht zu früh hereinzulassen, habe ich eine doppellagige Jalousie angebracht – innen weiß, außen silbern reflektierend. Das hält im Sommer die Hitze draußen und im Winter die Kälte ab. Unter dem Fenster habe ich eine schmale Sitzbank aus alten Paletten gebaut, mit einer Auflage aus dem gleichen Velourstoff wie das Sofa Bett. So entsteht eine durchgehende Farbsprache, die den Dachboden größer wirken lässt. An der gegenüberliegenden Wand hängt ein großer Spiegel, der das Licht vom Fenster einfängt und in den Raum wirft. All diese Entscheidungen waren Teil eines bewussten Dachboden-Designs, das auf die spezifischen Maße und Lichtverhältnisse zugeschnitten ist. Kein Möbelstück steht zufällig hier.



Am Ende zählt das Gefühl, wenn man nach oben kommt und der Raum sich lebendig anfühlt. Meine Eltern haben letzte Woche hier übernachtet, und nach dem Frühstück sagte meine Mutter: „Das ist gemütlicher als jedes Hotel." Genau das wollte ich erreichen. Der Dachboden ist kein Abstellraum mehr, sondern ein Ort, an dem Gäste sich wohlfühlen. Wer selbst Hand anlegt, spart nicht nur Geld, sondern versteht auch die Eigenheiten des Raums. Der nächste Schritt wird eine kleine Kaffeeecke sein – eine Kommode mit einer Kaffeemaschine darauf und Tassen, die immer bereitstehen. Der Dachboden-Design-Prozess ist nie abgeschlossen, er entwickelt sich mit jeder Übernachtung weiter. Und das ist genau das, was einen ungenutzten Raum zu einem echten Zuhause macht.